Blog zu Psychiatrie und Psychotherapie

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Suizidalität

Unter Suizidalität versteht man die Summe aller Kräfte, die in Richtung Selbstvernichtung gehen.
Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist die Suizidrate in den letzten 40 Jahre um über 50% zurückgegangen. In konkreten Zahlen nahmen sich im Jahr 1982 18.711 Menschen das Leben, 2021 waren es 9.215.
Wobei sich Männer annähernd 3mal häufiger suizidieren als Frauen.

Im Vergleich dazu, gab es in Deutschland im Jahr 2021
1826 Drogen- und 2719 Verkehrstote.

Die tatsächliche Zahl vollendeter Suizide dürfte jedoch um einiges höher liegen, da sich gerade unter den Todesarten: Verkehrsunfälle und Drogen ein erheblicher Anteil nicht erkannter Suizide verbergen dürfte.

Die Suizidrate steigt mit dem Alter an, im Besonderen gilt dies für Männer ab 60.
Umgekehrt sind aber auch vergleichsweise viele jüngere Menschen betroffen, denn jeder vierte Tod eines Menschen unter 30 ist auf einen Suizid zurückzuführen.

Schizophrenie

Wenn man von den organisch verursachten seelischen Erkrankungen absieht, handelt es sich bei den Schizophrenien um die schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen.

Im Vordergrund der Symptomatik stehen sog. abnorme Erlebnisweisen, d. h. Störungen, die das Empfinden und Wahrnehmen, Vorstellungen und Denken, Fühlen und Werten, Streben und Wollen sowie das Ich-Erlebnis betreffen.
Die Klarheit des Bewusstseins und die intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt. Jedoch können sich kognitive Defizite im Laufe der Zeit entwickeln.

Die Störung beeinträchtigt die Grundfunktionen, die dem normalen Menschen ein Gefühl von Individualität und Entscheidungsfreiheit geben. Die Betroffenen glauben oft, dass ihre innersten Gedanken, Gefühle und Handlungen anderen bekannt sind oder dass andere daran teilhaben.

Ein Erklärungswahn kann entstehen mit dem Inhalt, dass übernatürliche Kräfte die betreffende Person in bizarrer Weise beeinflussen.

Menschenbilder

Jede Psychotherapie ist Ausdruck und Reflexion eines zugrunde liegenden Menschenbildes. Innerhalb des psychotherapeutischen Kontextes, bilden Menschenbilder den Hintergrund, vor dem sich alles Handeln des Therapeuten vollzieht.

Unsere Annahmen, die wir über den Menschen insgesamt und unsere Klienten im Speziellen haben, erreichen den Stellenwert sich selbst erfüllender Prophezeiungen und haben einen unübersehbaren Einfluss auf das gesamte Therapiegeschehen.
Ein Beleg hierfür sind Placebo-Studien, in denen vielfach der Nachweis erbracht werden konnte, dass die Heilwirkung verstärkt wurde, wenn der Arzt, der das Scheinmedikament verabreichte, selbst der Überzeugung war, es handle sich um ein neues, sehr wirkungsvolles Medikament oder Verfahren.

Die Gesamtheit unserer individuellen, zu diesem Kontext gehörenden Annahmen und Überzeugungen bestimmt also unser professionelles Handeln. Weshalb es unerlässlich ist, sich das eigene Menschenbild bewusst zu machen und dieses zu reflektieren.

Ressourcen in der Psychotherapie

Im psychotherapeutischen Kontext versteht man unter Ressourcen die Gesamtheit der inneren Potenziale eines Menschen – die Quellen, aus denen ein Mensch seine Kraft und sein Selbstwertgefühl bezieht.
Dazu gehört die ganze Bandbreite zwischenmenschlicher Beziehungen sowie Intelligenz, Wissen, Bildung, Beruf, Erfolge, Interessen, Fähigkeiten, Werte, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Talente und Geschicke.

Auch Charaktermerkmale zählen zu den Ressourcen wie beispielsweise Großzügigkeit, Humor und Einfühlungsvermögen. Des Weiteren die herausragenden Momente des bisherigen Lebens, physische Merkmale wie Kraft und Ausdauer, sozialer Status sowie die Zugehörigkeit zu Gruppen, wie Freundeskreise und Interessengemeinschaften.

Eine ganz besondere Ressource, vielleicht die Mutter aller Ressourcen, ist die feste Verwurzelung in einem Glauben – die subjektive Gewissheit von etwas Größerem, etwas Göttlichem und einer spirituellen Ordnung im Universum.

Psychotherapieforschung

Das zentrale Ziel der Psychotherapieforschung ist es, die Psychotherapie zum Wohle des Menschen effektiver und transparenter zu machen. Angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen, die letztlich von der Gemeinschaft getragen werden, geht es allerdings nicht nur um die Effektivität, sondern auch um den Kosten-Nutzen-Aspekt.

Es handelt sich hier also um einen Wissenschaftsbereich, der – wenn er dem Menschen ethisch und ökonomisch dienlich sein möchte – die Gesetzmäßigkeiten der Veränderung menschlichen Erlebens und Verhaltens erforscht und der Frage nachgeht, mit welchen Verfahren und Methoden sich bei spezifischen Störungsbildern die größten Behandlungserfolge realisieren lassen, welche Interventionen bei den jeweiligen Problemstellungen besonders wirksam sind.

Eine Schwierigkeit bei Wirksamkeitsuntersuchungen resultiert aus der Tatsache, dass die verschiedenen Therapieschulen unterschiedliche Kriterien für einen Therapieerfolg postulieren, unterschiedliche Zugänge zur Therapie haben und folglich auch unterschiedliche therapeutische Wirkmechanismen vermuten.

Ressourcenaktivierung

Ressourcenaktivierung bedeutet, die inneren Kraftquellen (Ressourcen) eines Klienten aufzuspüren und diese für den therapeutischen Veränderungsprozess nutzbar zu machen, denn sie sind letztlich der Motor der Veränderung.

In psychischen Leidzuständen machen Menschen kaum Gebrauch von den Ressourcen, die ihnen normalerweise zur Verfügung stehen. Symptome schaffen einen geradezu hermetisch abgeriegelten Raum, der es den Betreffenden erschwert oder nahezu unmöglich macht, auf ihre eigentlich vorhandenen Potentiale zurückzugreifen.
Ein Charakteristikum problemassoziierter Zustände ist die Generalisierung des Problems, so als würde dies schon immer bestehen.

Nach der therapeutischen Beziehung ist der Wirkfaktor der Ressourcenaktivierung der wichtigste.
Die Aktivierung der Ressourcen gelingt beispielsweise dadurch, indem diese Quellen der Kraft, gezielt imaginativ-hypnotherapeutisch aktiviert und so für die betreffende Person in besonderer Weise erlebbar, erfahrbar und entsprechend spürbar werden.

Anpassungsstörungen

Anpassungsstörungen sind Störungen in der Anpassung eine neue veränderte Lebenssituation. Dieser, früher auch als pathologische Trauerreaktion bezeichnete Zustand ist zumeist auf Tod oder Trennung eines nahen Menschen oder Tieres zurückzuführen.
Kann aber auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen, wie: Schulbesuch, Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und Ruhestand.

Die Symptomatik ist sehr unterschiedlich und umfasst depressive Verstimmung, Angst, Besorgnis nicht zurechtzukommen und Einschränkung bei der Bewältigung der täglichen Routine.

Handelt es sich bei den Betroffenen um Jugendliche, kommt es eher als bei anderen Altersgruppen zu aggressiven Durchbrüchen und dissozialem Verhalten.

Handelt es sich um Kinder, treten gehäuft regressive Phänomene auf, die sich im Wiederauftreten von Bettnässen, Babysprache oder Daumen-lutschen zeigen.

Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb eines Monats nach Beginn der Belastungssituation und hält meist nicht länger als 6 Monate an.

Methoden des Suizids

Bei den vollendeten Suiziden überwiegt sowohl bei Männern als auch bei Frauen das Erhängen – ca. jeder zweite Suizid im Jahre 2021 ist so erfolgt. An zweiter Stelle stehen Stürze in die Tiefe und an dritter Stelle Vergiftungen.
Man unterscheidet harte und weiche Suizidmethoden. Zu den harten, die beim vollendeten Suizid überwiegen, zählt man: Erhängen, Erschießen, sich vor Fahrzeuge werfen und den Sturz aus großer Höhe.
Zu den weichen Methoden, die bei den Suizidversuchen überwiegen, gehören vornehmlich das Vergiften und das Zufügen von Schnitt- und Stichverletzungen.
Auf jeden Suizid kommen 15 bis 20 Suizidversuche.

Nicht vergessen werden sollte, dass es eine große Anzahl schwerer Verletzungen nach Suizidversuchen gibt, die aufwändige chirurgische, intensivmedizinische und neurologische Behandlungen mit anschließender Rehabilitation oder Frühberentung zur Folge haben.

Zwangshandlungen

Zwangshandlungen sind Stereotypien, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Die Betroffenen erleben sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihnen Schaden bringen könnte.

Beispiele für Zwangshandlungen, sind:

  • Kontrollzwänge, wie Haustüren und Haushaltsgeräte
  • Waschzwänge, insb. die Hände
  • Das Kämmen der Haare
  • Zählzwänge
  • Übertriebene Symmetrien und Ordnungssysteme sowie
  • Das Horten und Sammeln
  • Auch das als Messie-Syndrom bekannte, krankhafte Ansammeln von Gegenständen, wird als ein eigenständiges Störungsbild dem Spektrum der Zwangsstörungen zugerechnet.

Im Allgemeinen werden Zwangshandlungen als sinnlos, z. T. auch als quälend erlebt und es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen.

Werden Zwangskranke in ihrem Ritual gestört oder es gelingt sich ihnen zu widersetzen, tritt Angst auf.

Neurose vs. Psychose

Die Schwere des subjektiven Leidens den eine psychische Erkrankung verursacht, ist nicht geeignet, eine Psychose von einer Neurose abzugrenzen. Nicht selten sind sogar die Qualen, die ein Neurotiker empfindet, heftiger, als die, die ein bereits im Wahn befindlicher Psychotiker erleidet.

Vom Erscheinungsbild her lässt sich sagen, dass im Gegensatz zur Neurose die Psychose den Menschen total ergreift und die gesamte Persönlichkeit bedroht.

Während der Neurotiker im Allgemeinen in der Lage ist, den Kontakt zur Außenwelt weitgehend vernünftig zu gestalten und er auch mit den wesentlichen Anforderungen des täglichen Lebens fertig wird, kommt es beim Psychotiker zu einer massiven Störung seines Verhältnisses zur Außenwelt, bis hin zum Realitätsverlust. Jede Psychose ist wahnanfällig.

Therapeutisch hat das zur Folge, dass bei Psychosen die Psychopharmakotherapie die primäre Behandlungsform ist, während bei den Neurosen die Psychotherapie im Vordergrund steht.

Borderline-Störung

Die Borderline-Störung ist nach Depression und Alkoholismus die dritthäufigste in Deutschland gestellte Diagnose. Ca. 2% der Bevölkerung, also rund 1,7 Millionen Menschen sind davon betroffen.

Nach neuesten Untersuchungen ist das Geschlechtsverhältnis weitgehend ausgeglichen, jedoch suchen Frauen wesentlich häufiger nach psychiatrischer Hilfe.

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung gibt es eine deutliche Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer, launenhafter und wütender Stimmung.

Es besteht eine ausgeprägte Neigung zu explosiven emotionalen Ausbrüchen, verbunden mit der Unfähigkeit diese zu kontrollieren.

Mitunter findet sich auch ein gewalttätiges und bedrohliches Verhalten, insbesondere bei Kritik durch andere.

Weiterhin finden sich Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, chronische Gefühle innerer Leere und eine große Neigung zu Handlungen mit Selbstbeschädigung wie das Ritzen der Haut mit Rasierklingen sowie suizidale Handlungen.

Die therapeutische Beziehung

Die wichtigste und wesentlichste Voraussetzung für das Gelingen von Psychotherapie ist die therapeutische Beziehung. Je hochwertiger die Qualität der Beziehung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass umfassende Veränderungsprozesse stattfinden und Behandlungserfolge realisiert werden können. Eine Tatsache die durch die Psychotherapieforschung vielfach belegt werden konnte und die folglich über die theoretische Orientierung des Therapeuten hinausgeht.

Für Carl Rogers, dem Begründer der Psychotherapieforschung und seiner Gesprächspsychotherapie, war Psychotherapie eine besondere Form von Beziehungsarbeit.

Überdies haben Menschen, die von einschneidenden, negativ getönten Lebenserfahrungen und/oder von körperlichen oder seelischen Krankheiten betroffen sind, ein größeres Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Ihr Bindungsbedürfnis ist stärker aktiviert als sonst.

JA, Die Beziehung selbst, ist für viele Klienten die eigentliche Therapie.

Angst- und Panikstörungen

Angst ist zunächst erst einmal eine sehr sinnvolle Reaktion, die sich nicht nur beim Menschen, sondern weitgehend in der gesamten Tierwelt findet. Zu einem Problem wird sie dann, wenn sie im Übermaß auftritt oder in Situationen, die keine Gefahr bedeuten.

Unter dem Oberbegriff Angst- und Panikstörungen werden mehrere Erkrankungsformen zusammengefasst, die durch unterschiedliche Erscheinungsweisen der Angst geprägt sind. Die wesentlichen Formen sind die frei flottierende Angst, die phobische Angst sowie die Panik. Die Symptomatik umfasst in der Regel sowohl seelische als auch körperliche Beschwerden.

Die Betroffenen erleben ihre nicht real begründeten Ängste als so bedrohlich, dass sie die auslösenden Situationen voller Angst ertragen oder zunehmend vermeiden. Die Angstbewältigung durch Vermeidung schränkt den persönlichen Lebensraum und die sozialen Kontakte ein.

Angststörungen, die nicht selten mit Depressionen, Medikamenten- und/oder Alkoholmissbrauch und eventuell folgender Abhängigkeit verbunden sind, treten im Allgemeinen häufiger bei Frauen als bei Männern auf.

Soziale Phobie

Die soziale Phobie ist eine anhaltende Angst vor Situationen, in denen die Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer steht. Die Angst wird als übertrieben oder unvernünftig empfunden und führt in der Regel zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten.

Die Furcht zentriert sich insbesondere auf Situationen, in denen der Betroffene der prüfenden Beobachtung durch andere Menschen ausgesetzt ist. Dieses Erleben findet sich in der Konfrontation mit kleinen Menschengruppen, nicht dagegen in Menschenmengen.

Die sozialen Phobien gehen typischerweise mit einem niedrigen Selbstwertgefühl einher, sowie der Furcht vor jeglicher Kritik. Die Beschwerden äußern sich in Erröten, Händezittern, Vermeidung von Blickkontakt, Übelkeit und/oder Harndrang. Durch ihre erhöhte Selbstaufmerksamkeit nehmen die Betroffenen die Zeichen ihrer Anspannung und Angst verstärkt wahr, was wiederum zu noch stärkeren Körperreaktionen führt.

Im Gegensatz zu anderen phobischen Syndromen sind Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen.

Die Störung beginnt oft bereits im Jugendalter.

Persönlichkeitsstörungen

Eine Störung der Persönlichkeit liegt dann vor, wenn bestimmte anhaltende Verhaltensmuster in besonderer Weise ausgeprägt sind.

Sie zeigen sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche Lebenssituationen.

Die Abweichung vom gesunden Seelenleben besteht weniger in dem Merkmal an sich als in dessen Prägnanz und Dominanz.

Es ist mehr als problematisch, scharfe Grenzen zwischen gesund und persönlichkeitsgestört zu ziehen. Somit ist es hilfreich, sich darauf zu einigen, dass Persönlichkeitsstörungen dann einen Krankheitswert haben und somit behandlungsbedürftig sind, wenn es zu einem verstärkten Leidensdruck, Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und/oder gestörter sozialer Funktionsfähigkeit kommt.

Da die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung oftmals nicht sinnvoll ist, begegnet man ihr auch nicht so häufig. Die große Ausnahme ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung – die zugleich auch die dritthäufigste in Deutschland gestellte Diagnose ist.

Psychotherapeutische Wirkfaktoren

Auf der Suche nach Wegen, die psychotherapeutische Arbeit unabhängig von Therapieschulen zu gestalten, stellte sich der Therapieforscher Klaus Grawe folgende Frage:

Welche übergeordneten Elemente sind eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Psychotherapie und sollten folglich in jeder wirkungsvollen Psychotherapie enthalten sein?

Die Antwort die er fand, war die Konzeption der schulen- und methodenübergreifenden psychotherapeutischen Wirkfaktoren.

  1. Therapeutische Beziehung
  2. Ressourcenaktivierung
  3. Problemaktualisierung
  4. Motivationale Klärung
  5. Problembewältigung

 Wer die Psychotherapie aus dieser übergeordneten Perspektive betreibt, braucht sich nicht mehr die Frage zu stellen, welches einzelne Therapieverfahren besser oder schlechter ist, sondern einzig und allein, welches Verfahren bezüglich eines spezifischen Wirkfaktors besonders viel zu bieten hat.

Die schulen- und methodenübergreifenden Wirkfaktoren sind der Kern integrativen Denkens und Handelns und ein Richtungsweiser für die Psychotherapie von morgen.

Kognitionen versus Emotionen

Kognitionen und Emotionen sind zwei eigenständige Seinsweisen, die beide ihre spezifischen Aufgaben haben, jedoch auch miteinander verflochten sind – sie besitzen im Gehirn verbundene Schaltungen und kooperieren im Idealfall in einer ausbalancierten Art und Weise.

Den kognitiven Aspekt kann man sich als den Piloten vorstellen, der das Verhalten steuert, den emotionalen als Motor und Brennstoff, der es antreibt.

Das Zusammenspiel von Kognition und Emotion ist eine Medaille mit zwei Seiten: Kopf und Zahl, in diesem Fall Kopf und Herz.

Während wir die Kopfseite bewusster wahrnehmen, diese entsprechend besser steuern können und sie uns Dinge reflektieren und abwägen lässt, sind wir unserer Herzseite mit ihren Emotionen stärker ausgeliefert und können sie nicht ohne Weiteres übergehen.

Unsere Emotionen, als die stetigen Begleiter unserer Aktivitäten, drängen sich nachhaltig und unübersehbar auf, denn die Herzseite ist der Sitz unserer Seele und das Zuhause unserer höchsten Werte wie Liebe, Bindung und Glaube.

Psychische Grundbedürfnisse

Wenn wir über die Bedürfnisse menschlicher Wesen sprechen, dann sprechen wir über das Essenzielle ihres Lebens.

Neben den biologischen Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen und genügend Luft zum Atmen, hat jeder Mensch auch psychische Grundbedürfnisse.

Der Frage danach, welche dies sind, kommt in einem Beruf, in dem menschliches Leid ein zentraler Gegenstand ist, eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt noch einmal mehr vor dem Hintergrund, dass die Wirkung von Psychotherapie entscheidend davon abhängt, welche Erfahrungen ein Klient während der Therapie bezüglich seiner Grundbedürfnisse macht.

Das Grundbedürfniskonzept, auf welches ich mich beziehe und auf das sich auch Klaus Grawe bezogen hat, nennt folgende vier:

  1. Bindung
  2. Kontrolle und Orientierung
  3. Selbstwerterhöhung sowie
  4. Lusterzeugung bzw. Unlustvermeidung

Mit Ausnahme der Selbstwerterhöhung finden sich diese Grundbedürfnisse auch bei den höher entwickelten Säugetieren.

Psychotherapie – ein stetiger Entwicklungsprozess

Jede Wissenschaft, so auch die Disziplin Psychotherapie, ist Entwicklungen unter Berücksichtigung verschiedener Positionen unterworfen. Sie ist nichts Statisches, Starres, Unbewegliches, Absolutes, sondern – wie das Leben selbst – ein ständig voranschreitender Veränderungs- und Entwicklungsprozess.

Die Psychotherapielandschaft ist voll von heute nicht mehr wegzudenkenden Interventionen, die einst, als sie neu auf den Markt kamen, nicht immer gleich in ihrer Bedeutung erkannt und zum Teil auch mit Feindseligkeit und Spott bedacht wurden.

So wurden gestern, werden heute und auch morgen, auf der Basis all dessen, was im Bereich der Psychotherapie bereits existiert, Modelle und Methoden weiterentwickelt, völlig neu konzipiert und vorangetrieben, derer sich gegenwärtige Therapeuten und die der nächsten Generationen bedienen können. Ein japanisches Sprichwort sagt:

» Jede Generation baut die Straßen, auf denen die nächste fährt.

Online-Kurs vs. Präsenz-Veranstaltung

Psychotherapien und Coachings werden immer häufiger Online durchgeführt. Auch bei Arbeitstreffen, Prüfungsvorbereitungen und Supervisionen zeigen sich die großen Vorteile dieser Möglichkeit der Begegnung.

Was jedoch das praktische Lernen betrifft, den Erwerb von psychotherapeutischer Methoden- und Handlungskompetenz, sollte dies nach Möglichkeit immer im Rahmen einer Präsenz-Veranstaltung erfolgen. Die direkte und unmittelbare Begegnung ist es, die mehr als alles andere sicherstellt, dass eine qualitativ hochwertige Beziehung verwirklicht werden kann.

Eine solche Beziehung bildet nicht nur die Grundlage, sondern ist die Essenz, wenn ich später für andere Menschen wirklich wirksam sein möchte. Und auch nur das, was ich spürbar im direkten Kontakt an mir selbst erlebt habe, kann ich später authentisch weitergeben.

Weiterhin geht es um die Bereitschaft sich wirklich einzulassen, zu öffnen und ggf. emotionale Reaktionen meines Gegenübers aufzufangen. Etwas, dass im Rahmen eines Online-Kurses nur unzureichend möglich ist.

Emotionale Überreaktion

Kennen Sie das, Sie selbst oder jemand anders zeigt Emotionen und Verhaltensweisen die der Situation nicht angemessen sind, die einfach nicht der anzunehmenden Reife entsprechen.
Dies geschieht mit Vorzug dann, wenn die betreffende Person,– ausgelöst durch einen spezifischen Reiz – einen sogenannten Trigger, mit nicht verarbeiteten Konflikten ihrer Kindheit in Kontakt kommt und dann mit kindlichen Bewältigungsformen auf die Erfordernisse der Gegenwart reagiert.
Dies nennt man auch den neurotischen Mechanismus – Momente, in denen die Seelenkraft verletztes inneres Kind die Führung übernommen hat.
Und JA, Praktisch jeder Mensch hat in seiner Kindheit Augenblicke erlebt, in denen er sich einst verlassen, machtlos oder vernachlässigt fühlte.
Die gute Botschaft ist: Wir müssen nicht auf ewig Opfer dieser Momente bleiben.

Denn wie sagte schon einst Milton Erickson: „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben.“

Probleme versus Ressourcen

Während in der traditionellen Psychotherapie nahezu alles aus der Problemperspektive betrachtet wurde, richtet moderne, ziel- und lösungsorientierte Therapie ihren Blick auf die Ressourcen ihrer Klienten und sucht dann danach, diese zu aktivieren.

Für das Verständnis der Problematik eines Menschen ist die Einnahme der Problemperspektive notwendig und angemessen. Der Betreffende möchte gehört und verstanden werden und das Sprechen über seine Probleme hat oftmals für sich allein schon eine entlastende Funktion.

Viele junge, noch unerfahrene Helfer neigen dazu, vorzugsweise problemorientierte Fragen zu stellen, weil sie glauben, hierdurch zu helfen und so die Probleme ihrer Klienten besser lösen zu können. Sie verhindern jedoch genau das, was sie eigentlich erreichen wollen.

Die Ressourcenaktivierung bringt die Wandelung – sie ist der Motor der Veränderung, während ein zu langes Verweilen im Problemkontext dies eher verhindert.

Zwangserkrankung

Von Zwangsstörungen spricht man dann, wenn Krankheitsbilder auftreten, bei denen Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen im Vordergrund der Symptomatik stehen und sich Hinweise auf eine andere psychische Störung nicht finden. Jedoch gilt es hier anzumerken, dass Zwangserkrankungen und Depressionen sehr oft gemeinsam auftreten.

Die häufigsten Inhalte bei Zwangsgedanken und den zumeist folgenden Handlungen beziehen sich auf Reinlichkeit und Kontrolle.
Pathologische Zwangsphänomene beginnen in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter, am häufigsten im Alter von etwa 20 bis 25 Jahren. Sie beeinträchtigen einen Menschen in seinem gesamten Denken, Handeln und sozialem Verhalten, wodurch es häufig auch zu sozialer Isolierung kommt.

Die Entstehungsursache der Zwangserkrankung ist multifaktoriell. Die wichtigste Teilursache, sind rigide Erziehungsformen während der analen Phase, also während des 2. & 3. Lebensjahrs.

Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung entsteht als eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis katastrophenartigen Ausmaßes die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
Die häufigsten Auslöser für eine PTBS sind eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folter, Terrorismus, Vergewaltigungen oder anderen Verbrechen zu sein.
Typische Symptome sind: Das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen und Träumen sog. Nachhallphänomene bzw. Intrusionen, Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Verlust der Lebensfreude, vegetative Übererregtheit, erhebliche Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, häufige Suizidgedanken.
Aufgrund der hohen Wirksamkeit der EMDR-Methode kann heutzutage in der Mehrzahl der Fälle eine Heilung erwartet werden.

Psychotherapie als Kunst

Die feste Überzeugung, dass jeder Mensch einzigartig ist, in die therapeutische Praxis umzusetzen, bedeutet strenggenommen, für jeden Klienten eine neue Therapie zu kreieren.
Um dies zu verwirklichen, braucht es ein gutes Maß an Methoden- und Handlungskompetenz, Spontaneität und Intuition, was das Wesen der Meisterschaft in vielen Disziplinen ist.
Auf dem Weg zum Künstler, zur therapeutischen Virtuosität, sollte der Praktizierende Theorie und Praxis beherrschen, um dann beides miteinander verschmelzen zu lassen.
Der Mensch braucht Technik, um Klavier spielen zu lernen, doch irgendwann, wenn er Musik machen will, muss er die Technik hinter sich lassen und den eigenen spontanen Einfällen vertrauen.
Es liegt also definitiv im Interesse unserer Klienten, wenn wir als Therapeuten verantwortungsvoll experimentieren.

So macht man Psychotherapie

Auf die Frage, nach seinem Verständnis von Psychotherapie, antwortete Milton Erickson wie folgt:

Eines Tages kam ich aus der Schule, als ein durchgegangenes Pferd an uns vorbei- und in einen Bauernhof hineingaloppierte.

Der Bauer kannte es nicht, deshalb trieben wir es in eine Ecke. Ich schwang mich auf seinen Rücken rief: „Hüh“ und ritt zur Straße. Ich wusste, das Pferd würde die richtige Richtung einschlagen. Das Pferd trottete die Straße entlang. Dann und wann wollte ins Feld laufen. Also zog ich am Zügel und machte es darauf aufmerksam, auf der Straße zu bleiben.

Nach etwa vier Meilen lief es in einen Bauernhof, und der Bauer sagte:
„Aha, so kommt der Kerl also zurück. Wo hast du ihn gefunden?“
Ich sagte: „Etwa vier Meilen von hier.“
„Aber woher wusstest du, dass er hierhergehört?“
Ich sagte: „Ich wusste es nicht, das Pferd wusste es. Ich habe einfach nur seine Aufmerksamkeit auf die Straße gelenkt.“

Ich denke, so macht man Psychotherapie.

Alkoholismus

Der Alkoholismus ist in Deutschland das sozialmedizinische Problem Nr. 1.
Durch Fehlzeiten am Arbeitsplatz, herabgesetzte Arbeitsleistungen, Alkohol verursachte Verkehrs- und Betriebsunfälle sowie direkte und indirekte Krankheits- und Behandlungskosten entstehen Staat und Gesellschaft wirtschaftliche Belastungen von jährlich rund 50 Milliarden Euro.

Bei der Mehrheit krimineller Delikte ist Alkohol maßgeblich beteiligt, wie auch bei Suiziden und Suizidversuchen.

Mit einem Konsum von umgerechnet fast 10 Liter reinem Alkohol pro Kopf und Jahr und einer Abhängigkeitsrate von 3 bis 5% der Gesamtbevölkerung gehört Deutschland zur Weltspitze, wobei Männer 3mal so oft betroffen sind wie Frauen.

Die Lebenserwartung ist stark reduziert. Pro Jahr sterben in Deutschland mehr als 40.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Alkoholkonsums. In Zahlen nicht fassbar sind das persönliche Leid und die negativen Folgen für das Individuum und seine Angehörigen.

Alkoholismus Grenzwerte

Deutschland nennt offizielle Grenzwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum.
Unter der Maßgabe, dass an zwei Tagen pro Woche kein Alkohol getrunken wird,

  • liegt dieser bei Frauen bei 12 Gramm reinem Alkohol pro Tag. Das entspricht 0,3l Bier oder 0,1l Wein bzw. Sekt oder 4cl Schnaps.
  • Bei Männern liegt der Wert genau doppelt so hoch: 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag. Das entspricht 0,6l Bier oder 0,2l Wein bzw. Sekt oder 8cl Schnaps.

Oberhalb dieser Grenzen steigt das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen.
Die Mengenunterschiede resultieren aus dem geringeren Flüssigkeitsgehalt des Körpers der Frau. Die gleiche Menge würde also zu einem höheren Alkoholgehalt im Blut führen.